Er war als Austauschjournalist bei uns: Sascha ist tot

Traurige Nachricht aus der Millionenstadt Kasan an der Wolga, die mit Braunschweig freundschaftlich verbunden ist: Im Alter von erst 41 Jahren ist Alexander Leonidowitsch FROLOW, der im Spatsommer 1990 als erster russischer Austauschjournalist fur ein paar Wochen in der Redaktion der Braunschweiger Zeitung gearbeitet hat, plotzlich gestorben.


Seine Freunde, auch in Braunschweig, trauern um einen aufrechten, mutigen Journalisten.


In der Aufbruchstimmung von Glasnost und Perestroika gehorte Sascha, wie ihn in Kasan alle nannten, zu den Verfechtern der damals fur Russland neuen Politik Gorbatschows. An der Abendzeitung „Wetschernjaja Kasan“, deren innenpolitischer Redakteur Frolow war, schrieb er unerschrocken gegen die alte Kommandowirtschaft und die Burokratie der ewig Gestrigen, gegen die steigende Kriminalitat in der Millionenstadt und gegen den Filz in der Burokratie der Behorden an, riskierte damit im Namen der Pressefreiheit auch manchen Gerichtsproze? der angegriffenen Funktionare, die aber keinen Erfolg mit ihren Versuchen hatten, ihn mit juristischen Mitteln mundtot zu machen. Sein Ruf drang bis ins ferne Moskau, wo sich der damalige sowjetische Ministerprasident Nikolai Ryschkow den kritischen Fragen des 29 Jahre alten Sohn eines Landlehrers stellte. Privat, zum Ausgleich von harter journalistischer Arbeit, schrieb er zarte Liebesgedichte.


Als sein Chefredakteur Andrej Gawrilow den in der Geschichte Kasans erstmaligen Austausch von Journalisten aus den beiden befreundeten Stadten anregte, war Sascha Frolow sofort zur Stelle. Vier Wochen lang nahm der BZ-Redakteur Karl-Joachim Krause seinen Arbeitsplatz im Pressehaus von Kasan ein, anschlie?end folgte Frolows Gegenbesuch in Braunschweig. Hier erlebte er teils staunend, teils kritisch „den Westen“ , erlebte westliche Freiheit pur und schrieb als Gastredakteur uber seine Eindrucke und uber seine Heimat Tatarstan, deren Hauptstadt Kasan ist.


Von seiner Zeitung „Wetschernjaja Kasan“ hat Alexander Frolow sich nach dem Tode des Chefredakteurs Gawrilow getrennt. Er arbeitete fortan als freier Journalist, vorzugsweise fur unabhangige Fernsehstationen in Tatarstan. Mit seinem Tode verliert Kasan einen unerschrockenen Verfechter von Pressefreiheit und „neuer Offenheit“ (Glasnost), wie sie in Russlands Medien noch immer selten sind.

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